Anlagenbau
Eine Modellbahnanlage besteht aus viel mehr als Gleisen und Zügen. Der Unterbau muss stabil sein, die Gleise sauber liegen, und die Landschaft drumherum macht aus Gleisen auf einer Platte eine kleine Welt.
Unterbau
Rahmenbauweise vs. offene Platte
- Offene Platte (Sperrholz/MDF): Einfach, schnell, aber schwer und unflexibel. Geländemodellierung nur durch Aufbauen möglich.
- Rahmenbauweise (Spanten): Rahmen aus Leisten, Trasse als separate Ebene. Leichter, erlaubt Geländeeinschnitte und verschiedene Höhen. Mehr Aufwand, aber professionelleres Ergebnis.
Für kleine Anlagen in Spur N reicht oft eine 12 mm MDF-Platte als Basis. Für größere Projekte oder Modulanlagen ist Rahmenbauweise besser.
Trassenbretter
Die Gleise liegen auf einem separaten Trassenbrett (~6 mm Sperrholz, 5-8 cm breit), das auf dem Rahmen oder der Platte befestigt wird. Vorteile:
- Gleislage unabhängig vom Untergrund
- Steigungen durch Unterfütterung des Trassenbretts
- Schallentkopplung (Korkunterlage zwischen Trasse und Platte)
Korkbettung
Unter die Gleise kommt eine Korkschicht (2-3 mm). Die dämpft den Schall (fahrende Züge sind leiser) und simuliert den Schotterkörper. Kork gibt es als Bahndammform (trapezförmig) oder als Plattenware zum Selbstschneiden.
Gleisverlegung
Flexgleis vs. Systemgleis
- Systemgleis (Kato Unitrack, Fleischmann Piccolo): Feste Geometrien, steckt zusammen. Schnell, sauber, teurer. Gut für den Anfang und wenn man den Gleisplan noch ändern will.
- Flexgleis (Peco, Minitrix): 900 mm lange biegbare Schienen. Jeder Radius möglich, natürlichere Kurven. Braucht Gleisstifte oder Kleber, mehr Arbeit.
Gleise befestigen
- Gleisstifte (Minitrix, Fleischmann): Kleine Nägel durch die Schwellen. Klassisch, hält gut, lässt sich wieder lösen.
- Kleben: Holzleim oder doppelseitiges Klebeband. Leiser als Nägel, aber weniger flexibel bei Änderungen.
- Schrauben (bei Flexgleis auf Trassenbrett): Schraube neben dem Gleis, Drahtklammer hält das Gleis. Sehr stabil, leicht korrigierbar.
Weichenantriebe
- Unter der Platte montiert (Standardlösung): Magnetantrieb oder Servo direkt unter der Weiche, Stelldraht durch ein Loch in der Platte.
- Motorische Antriebe (Tortoise, Fulgurex): Langsame, leise Umstellung. Teurer, aber vorbildnah.
- Servos (SG90): Günstig, präzise, brauchen einen Servodecoder. Eigenbau mit Arduino möglich (→ electronobotics.de).
Landschaftsbau
Geländeform
- Styrodur/Styropor: Leicht, einfach zu schneiden (Heißdrahtschneider). Grundform für Hügel und Berge.
- Gipsgewebe/Papiermaché: Über ein Drahtgerüst — für organische Formen (Felsen, Bachläufe).
- Spachtelmasse: Für die Feinmodellierung der Oberfläche.
Begrasung
Statisches Gras (Elektrostat-Applikator) ergibt die realistischste Grasnarbe. Verschiedene Faserlängen für Wiese (2 mm), Feld (4 mm) und Wildwuchs (6 mm). In Spur N: eher kurze Fasern (2-4 mm), alles darüber wirkt überdimensioniert.
Bäume und Büsche
- Seemoos/Islandmoos: Natürliches Material, gebleicht und eingefärbt. Günstig, sieht gut aus.
- Heki/Noch Fertigbäume: Schnell, gleichmäßig, teurer.
- Eigenbau (Draht + Woodland Scenics Foliage): Am realistischsten, am aufwändigsten.
3D-Druck für den Anlagenbau
3D-Druck eröffnet Möglichkeiten die es vor ein paar Jahren nicht gab:
- Gebäude — individuelle Häuser statt Bausätze von der Stange. In Spur N braucht man einen Drucker mit guter Detailauflösung (0.2 mm Düse, oder SLA/Resin).
- Brücken und Tunnel-Portale — exakt an die Gleisgeometrie angepasst
- Zubehör — Laternenmasten, Bänke, Zäune, Mülltonnen, Figuren-Sockel
- Gleisübergänge und Bahnsteigkanten — passgenaue Teile die es nicht zu kaufen gibt
Material: PLA reicht für die meisten Gebäude. Für feine Details besser Resin (SLA-Drucker). Infos zu Druckmaterialien auf electronobotics.de.